5. Kilpisjärvi – Abisko

oder aber auch „Tomorrow will be better!“//Der Trail ist ein Bach..

Meine Hardshell Hose hat an der Seite einen Schutz gegen Steigeisen. Super solange sie nicht genau dort an der Naht gerissen wäre. Ich sitze also in Kilpisjärvi und versuche das Stueck zu flicken. Wird nicht lange halten. Allerdings kam mein Paket an voller feiner Dinge. Ich ueberschlage und entscheide dass einiges zu viel ist. Das meiste lasse ich fuer Hansjörg da. Frederik hat mir auch noch einiges aus seinem Paket liegen lassen weiss gar nicht wohin damit. Rick steigt um 14.00 Uhr auf die Fähre die ihn ins Dreiländereck bringt. Ich arbeite noch an dem Bericht aus dem Reisadalen und nehme die 18.00 Fähre.

Das Dreiländereck (Treriksröset) ist der Punkt an dem Finnland, Schweden und Norwegen sich vereinen. Dort steht ein alter Grenzstein (eigentlich mehrere nachdem die Grenze unter Wasser lag wurde er verlegt) der den Punkt markiert.
Ich mache dort (in Schweden) meine Bilder und laufe dann rueber zur Goldahytta (Norwegen). Unterwegs treffe ich Kai aus Rottweil ebenfalls Gastronom somit haben wir einiges zu lachen. Anne wartet bereits auf Golda auf mich, wir haben uns viel zu erzählen seit Alta ist einiges passiert. Die Geschichte wie ich das Streitgespräch mit dem Vielfrass gefuehrt habe bringt in der Huette alle zum lachen. Ich sei ein Glueckspilz sagen sie, so ein Tier wuerden alle gerne mal sehen. Ich allerdings habe noch immer die Hosen voll. Scheussliches Vieh!
Es ist schade zu sehen dass der DNT selbst im Norden jetzt Huettenwarte einsetzen muss weil es anscheinend zuviel ist 60-150 NOK zu bezahlen fuer eine trockene, saubere und vorallem warme Unterkunft. Anscheinend kommt es immer häufiger zu Zechprellereien.
Heute bin ich einen Monat på tur..

Um 10.00 Uhr laufe ich mit Anne los. Ganz gemächtig mit dem schweren Rucksack.
Kai ueberholt uns und wir laufen zusammen weiter. Nach dem Regen scheint langsam die Sonne durch. An einem Teich werfen wir die Angel aus und machen gemuetlich Mittagspause. Die letzten 5km bis zur Gappohytta ziehen sich unglaublich lange! Ich spuehre den fehlenden Ruhetag; mein rechtes Knie und das linke Sprunggelenk schmerzen. Die Gappohytta ist echt schön gelegen. Nur die Stelle zum Wasser holen ist weit weg. Kai kredenzt uns eine feine Pilzsuppe in der Vorspeise und im Hauptgang tische ich Spaghetti Napoli auf.

08.00 Uhr, der Wecker klingelt, ich döse weiter, nur keine Hektik heute, auch wenn Anne bereits ihre Sachen packt.
Nach ca. 8km mache ich eine Kaffeepause an einem wirklich eisig kaltem Fluss, geniesse die Sonnenstrahlen und die Aussicht auf das Fjell; herrlich!
Hoppla! Da ziehen sich die Wolken schon wieder zusammen und ich mache dass ich vorwärts komme. Der Trail ist ein Rinnsal. Mehrere Furten verlangsamen mich. Bei einer dachte ich echt ich verliere ein Körperteil. Viel später als gedacht komme ich auf der Rostahytta an. Das Knie schmerzt und der wind drueckt mir die feuchten Klamotten an die Haut; nicht besonders hyggelig.
Auf der Huette wartet Anne bereits auf mich zusammen mit Svenja die fuer den DNT als Huettenwart arbeitet. Die beiden haben einen groooooossen Kessel Kaffee. Fein !
Ich verputze als Vorspeise mal eben so 200g Schokolade und im Hauptgang eine Portion Linsen plus Tuetengericht. Trotzdem habe ich noch immer Kohldampf.

Nach 6 Tassen Kaffee und einem langen Gespräch mit Svenja, die unter anderem auch fuer den STF gearbeitet hat schnuere ich mir die Stiefel.
Als wir letztes Jahr im Rahmen von #gemeinsamdraussen das Dividalen durchquert haben, hatten wir ein Traumwetter. Diesen morgen blicke ich aus dem Fenster und sehe; nichts. Dichter Nebel hat die Bruecke verschluckt, die Berge und den Fluss gleich mit.
Zum Glueck habe ich mein GPS geladen. Mit Muehe und Not finde ich sogar ohne GPS die Bruecke und beginne den Aufstieg. Die nächste Markierung sehe ich allerdings nicht. Stueck fuer Stueck bugsiere ich mich durch den Nebel mehr dem GPS als dem Trail folgend da kein ausgetretener Weg erkennbar ist. Nach 6km komme ich an eine Furt wo ein Wegweiser nach Rosta und nach Daerta zeigt. Keiner von beiden zeigt aber in die Richtung aus der ich kam. (im Nachhinein fanden wir raus das der DNT einige Trails im  Dividalen verlegt hat)
Ich hoere Anne meinen Namen rufen, sehe sie allerdings nicht (sie stand 20m neben mir).
Nachdem der Trail gleich 3x den selben Fluss gekreuzt hat mache ich Halt; der Körper schreit nach Energie. An einem See halte ich und wefe meine Angel aus, wobei ich gleich mal wieder einen Haken verliere.
Die letzten 3h sind anspruchsvoll; Geröllhalten, Aufstiege ueber Schnee. Mitten in einem Schneefeld sehe ich zwei Siluetten stetig in raschem Tempo auf mich zugehen. Ich halte sie erst fuer Norweger; Bärte, zottelige Haare, grosse Rucksäcke. Sehen so aus als seien sie bereits eine Weile draussen. Allerdings hoere ich einen deutschen Akzent raus und so wechseln wir grinsend ins deutsche. Die beiden sprechen mich direkt mit Namen an und ich bin erstaunt woher wir uns kennen. Phillip&Phillip lesen meinen Blog. Dass sich jemand echt Muehe macht all meine wirren Gedanken zu lesen und damit seine kostbare Zeit zu verschwenden macht mich irgendwie stolz. Ich berichte von meioner Reise und frage was die beiden eigentlich hier oben an diesem Hang machen.

Diese beiden Herren sind den ganzen weg von ULM gelaufen und sollten in 3 Wochen am Kap stehen. WOW! DASS sind echt krasse Kerls.
Jungs falls ihr dass hier liest, ihr habt da echt einen Stein ins Rollen gebracht..
Keep goin..!

Wir stehen also so da und quatschen sicher 20 Minuten bis mir der absurde Gedanke kommt bei 3 Grad Celsius und eisigem Wind auf 760m Kaffe zu kochen. Darueber muessen wir lachen, verabschieden uns und vertagen dass Ganze.
Grinsend laufe ich den steilen Abhang bergab und erkenne durch einen etwas lichteren Nebeldie Daertahytta.
Anne sitzt auf der Couch und unterhält sich mit Rick. Der arme hat sich anscheinend einen Muskel geprellt und kann nicht weiter. Ebenfalls auf Huette ist Jasper ein 19 jähriger Schwede der das Jahr zwischen Abschluss und Uni dafuer nutzt den E1 zu laufen.
Den Rucksack werfe ich in die Huette, greife mir die Angel und mache mich auf den Weg an den ca 1,5km entfernten See, an dem es anscheinend an Forellen nur so wimmelt. 1h später  noch immer nichts, allerings höre ich im Nebel ein Knurren und Bellen dass mich davon ueberzeugt die Tuere der Huette von innen zu schliessen.
Dummerweise sehe ich keine 5m weit, geschweige denn bis zur Huette. Mein Glueck war der Fluss dem ich stromaufwärets folge bis ich die unscharfen Umrisse erkennen kann. Was´ne Suppe da draussen!

„Heute wird ein harter Tag“.
Das waren die Worte des Tages. Um 08.00 Uhr waren wir parat. Im Angesicht des Nebels und Ricks Beins hatten wir beschlossen es sei besser als Gruppe zur Dividalshytta zu gehen. Ich lief in meiner Hardshelljacke los mit nur einem Tshirt darunter, wie sonst auch. Der Wind allerdings, schnitt da glatt durch und ich legte eine weiter Schicht an. Das erste mal seit der Poststrasse musste ich meine Handschuhe herraussuchen, welche kaum ueber meine geschwollenen Finger wolten. Wir setzen unseren Weg fort und staendig frage ich mich „Woher kommt dieser See, der war letztes Jahr noch nicht da!“
Ueber eine Vidda gelangen wir an einen ca 4km breiten Sumpf, kurz darauf steht wohl eine der breitesten Furten meines NPL an. Nicht besonders schnell, auch nicht sehr tief sondern einfach nur breit. Rick ueberzeugt mich dass Ding mit Stiefeln zu furten, ich Held will ja umbedingt glauben es sei nicht noetig bei 2 Grad Celsius alles abzulegen und steige in voller Montur in den Fluss. Guess what? Aye right!
Das Wasser steigt mir in die Stiefel und macht sie so richtig schöööööööön nass. Selber schuld!
Es geht steil bergauf, der Wind nimmt zu. Kein Ort zum Alt werden. Auf 800m fallen mir selbst die wärmsten Gedanken schwer. Der Wind blässt mir innerhalb von eine halben Stunde erst Regen, dann Schnee und dann Hagel ins Gesicht.
Weiter, immer weiter!
Irgendwo hier ist dann bald der Abstieg, und dahinter die Dividalshytta. Tatsächlich, nach einer endlosen kurzen Weile geht es steil Bergab mit (wahrscheinlich) tollem Ausblick auf das gruene Dividalen. Durch einen dichten Birkenwald steige ich ab und eile zur Huette. Anscheinend habe ich dabei die längere Variante genommen um eine Ehrenrunde zu drehen so verfrohren wie ich war.
Jasper sitzt am Kamin mit zwei anderen, das Heatrack (Trockengestell) ist voller tropfender Klamotten. Ruppig werde ich gebeten die andere Huette zu nehmen. Sowas habe ich auch noch nie erlebt, die ganz feine schwedische Art.
An der kleinen Dividalshytta öffnet mir lächelnd Svenja (deutsch/Biologin/arbeitet in Schweden) mit einem „Velkomm till varmen“ die Tuer. Schon besser. Raus aus den Klamotten rein in den Wollpyjama, kurz darauf stehen Anne und Rick in der Tuer. „What an uncompfortable day!“ sagt anne und wir muessen lachen.
Ich dachte echt mir wird nicht mehr warm heute..
Hungrig verdruecke ich im Schlafsack gleich zwei Real Turmat und merke dass mir das Essen ausgeht.

Der Nebel lag noch immer ueber den Dividalen. Was fuer eine Schande; es könnte so schön sein. Dazu regnet es auch noch. Den Weg zur Toilette legte ich wie ein Karnickel vor des Jägers Flinte zurueck.
„Tomorrow will be better!“ sagt Rick, ein sarkastischer Witz den ich bereits zwei Wochen von ihm hörte und dennoch musste ich diesmal lachen. Ein Finne hatte kurz vor Kilpis Witze darueber gemacht das die Norweger ihre Wetterprognosen vor dem Wochenende immer nach oben schraueben um Massensuizide zu verhindern. Markaberer Typ.
Es ging ca 3km durch dichten Wald zur Hängebruecke. Der Weg dorthin war ein einziger Fluss. Es hätte kaum einen Unterschied gemacht direkt im Fluss zu laufen, die vormals trockenen Stiefel waren im Nu durchweicht. Wir sahen einige Kratzspuren von Braunbären an den Bäumen, doch machten uns keinen Kopf; jedem Bären wäre dieses Wetter zu mies um uns in die quere zu kommen.
Am anderen Ende der Hängebruecke (fuehle mich dabei immer ein bisschen wie Indiana Jones) stellten wir fest dass der DNT auch hier den Trail verlegt hatte. Allerdings direkt ans Ufer der Dividalselva, was nicht besonders smart war im Angesicht solcher Wassermassen. Der Trail war ein Rinnsal, dann ein Bach und dann muendete er einfach in die Dividalselva. Mein Knie schmerzte ganz schön vom Abstieg gestern.
Auch hier im Dividalen kannte ich ein Abkuerzung, die auch Jasper bekannt war. Hoch ueber den Bergkamm am Voumasee vorbei direkt zur Huette. Sieht auf der Karte kuerzer aus als der markierte Weg. Rick und Anne waren dagegen also machten wir uns zu zweit an den Aufstieg.
Dichter Wald lies meine Gedanken an all die kleinen Touren im heimischen Schwarzwald schweifen, ach wie sehr er mir fehlt..
Oben angekommen waren wir noch lange nicht oben angekommen. Es ging immer weiter hoch bis auf ca 800m und durch dichtes Gestruepp. Die Huette war zu erkennen und doch noch immer so weit ! Ich war wirklich muede als wir endlich durch die Tuer traten. Die Voumahytta besteht aus zwei Huetten. Die dritte steht seit einem Jahr im Rohbau, ich hatte gedacht sie sei bereits fertig (anscheinend hatten die Arbeiter unerlaubt Baumaterialien verbrannt mitten im Nationalpark & es gab daraufhin Krach von „oben“). Beide Huetten waren fast voll belegtmit finnischen Fischern die uns freundlich aufnahmen und mehrmals Wasser holen gingen.
So sollte das eigentlich auch sein; der der am muedesten an der Huette ankommt, sollte sich um nichts sorgen muessen ausser um sich selbst.
Der Voumasee gilt unter Anglern als „Fanggarantie“. Keiner von den Finnen hatte einen Angelschein (habe meinen online gekauft/geht auch per sms) und hatte die Tage dicke Fische gezogen. Also versuchte auch ich mein Glueck, warf die Rute aus, verlor gleich mal vier Haken mit nicht einmal einem winzig kleinem Fisch als Resultat.
Dabei hatte ich sooooo Hunger. Ich war dementsprechend so gut gelaunt wie das Wetter und legte mich mit Jack Londons „Call of the Wild“ auf die Couch.
“The first theft marked Buck as fit to survive in the hostile Northland environment. It marked his adaptability, his capacity to adjust himself to changing conditions, the lack of which would have meant swift and terrible death. It marked, further, the decay or going to pieces of his moral nature, a vain thing and a handicap in the ruthless struggle for existence.”
Es geht um das gezämte Tier, dass zurueck in die Wildniss findet. London hatte das ganze auf den Menschen uebertragen zur Zeit des Goldrausches obbwohl er nie wirklich den Norden gesehen hatte.

Kein Kaffe mehr da. Vier Worte ein Tag der schlecht anfängt. Ich hatte kaum geschlafen und als wir um 08.30 Uhr abmarschierten war selbst „Tomorrow will be better“ keine Erheiterung mehr. Nach 2h geht es steil ueber Schneefelder bergauf.
..&in Basel sitzt man bei 38 Grad mit „Unser Bier“ am Rhy..
Solche Gedanken kommen einem da schon mal. Allerdings sehen wir oben angekommen nach Taaaaaagen die Sonne mal wieder, der Nebel war auch Geschichte und wir machten eine lange Mittagspause. Diese hatten wir im Dividalen aufgrund des ungemuetlichen Wetters immer auslassen muessen. Ich lasse mich zurueck fallen und „lese“ eine wirklich deprimierende Zeitung. Irgendwas hat mir den Magen verdorben.
Die anderen sich schon ausser Sicht als ich den Abstieg ueber bruechige Schneefelder/bruecken beginne. Das Areal erkenne ich wieder. war auch letztes Jahr so feucht.
Mir kommen Gedanken an die Heimat, an die sonnigen Tage in Sarajevo, die Hochzeit meiner Schwester, an meine engsten Freunde; ich habe Heimweh.
Es fällt mir schwer mich zu fokusieren bis ich ausrutsche und falle. Ich fluche. Komm schon immer weiter, im Sueden scheint die Sonne auch noch nächsten Sommer.
Rasch erreiche ich die Baumgrenze; endlich wieder Feuerholz. Auf der Gaskashytta erzählt uns Johan aus den NL dass der Nordkalottleden zur Lappjord unpassierbar sein. Ähnliche Berichte von 14&16h Tagen finde ich in den Hyttebuechern. Die Alternative ist ueber das wenig begannene Sordalen nebenan, welches schneefrei ist. Anne macht sich unmittelbar auf den Weg. Ich möchte allerdings die Nacht hier bleiben und morgen zu Björn Klauers Huskyfarm laufen wo ich einen Ruhetag einlege.

Wer eine Nacht auf einer Huette verbringt soll sie bitte stehts erst dann verlassen wenn beide Eimer (2x10l) mit Wasser aus der nächsten Quelle gefuellt sind, der Kasten fuer das Feuerholz gefuellt ist, die Betten gemacht, das Gas am Herd abgedreht ist, die Nacht bezahlt und die Huette ausgefegt/gewischt & abgeschlossen ist. Dass sieht das Regelwerk des DNT vor, damit der nächste der evtl. aus einem Sturm in die Huette vollig erschöpft und verfrohren kommt, sich um nichts mehr kuemmern muss.
Ich schreibe dass hier rein weil ich wenn auch eine geringe Reichweite habe, dennoch einige Leute die es nicht besser wissen, lesen werden.
Meine beiden Gefährten sahen dass allerdings ueberhaupt nicht ein. „War doch auch kein Wasser fuer uns da..“ so Sprueche am morgen-herrlich.
Verärgert nahm ich mir beide Eimer und lief bis an Fluss hinunter und schleppte die Eimer wieder hoch. Dass ich bereits gefegt hatte interessierte die beiden gestiefelten Friluftshelden herzlich wenig. Also kehrte ich erneut, sperrte die Huette ab und schaute zu dass ich die beiden hinter mir lies bevor mir nicht doch ein unschönes Wort herausrutschen könnte.
Heute morgen hatte ich nur noch ein Gulasch uebrig bis nach Innset zur Huskyfarm, wo mein Paket mit Verpflegung wartete. Ziemlich schweres Fruehstueck. Ich gab richtig Gas.
Nach 3h hatte ich Svenja am Parkplatz eingeholt. Die beiden anderen hatten beschlossen trotz allen warnenden Worten den Nordkalottleden zu nehmen; muss jeder fuer sich entscheiden, ich hatte mein „Abenteuer“ im Reisadalen.
Eigentlich hatte ich mit Björn am abend zuvor vereinbart dass ich ihn anrufe sobald ich den Parkplatz am See erreiche & er mich dort mit dem Auto holt & die Strecke bis zur Farm Fährt. Doch ich dachte mir er hat sicher besseres zu tun (die bauen grad ein neues Gästehaus) und ich schuldete mir ja noch immer die 5km aus Alta, also lief ich im Schnellschritt zur Farm.
Dort waren Björn und seine Helfer Felix, Luzius & Eric fleissig am Hammer schwingen.
Es war schön wieder den Hof zu betreten, bei meiner Planung hatte ich dieses Bild immer vor mir wie ich auf das Gästehaus zu gehe.. Mir wurde ein Zimmer zugewiesen und da mein Paket leider noch nicht eingetroffen war, kaufte ich mir bei Björns Frau Regina Eier, Salami, Käse, Milch und ein gutes deutsches Bauernbrot (die haben  einen Steinofen!).
Am Abend unterhielt ich mich mit den Jungs um herrauszufinden wie man dazu kommt, alles aufzugeben und im Norden auf einer Farm mit 85 Grönlandern zu arbeiten. Noch während ich diese Frage aussprach, wurde mir die Antwort bereits klar..

„Zieh ihn zu dir an die Huefte dann hat er weniger Kraft!“ rief Eric rueber zu mir.
Die Temperaturen waren unter 10 Grad gefallen – Trainingstag fuer die Hunde!
Wir waren dabei die Hunde Anzuschirren in 8/10er Teams vor einen Trainingsschlitten der wie ein Gocar gebaut war. Regina hatte eine Liste in der Hand, welcher Hund an welche Stelle im Gespann soll. Es stand noch kein Trainingswagen draussen, wir hatten kein Geschirr in der Hand und dennoch drehten die Tiere schirr durch vor Vorfreude. Sie wussten was bevorstand.
Ich nicht.
Felix gab mir eine kurze Einweisung wie ich dem Hund das Geschirr ueber den Kopf und die Pfoten ziehe und legte dann nur noch das Geschirr vor den jeweiligen Zwinger.
Also gut, du kannst dass. Du hattest noch nie wirklich Kontakt mit Hunden (ich hatte allerdings auch nie einen eigenen/noch eine negativ Erfahrung), aber du kannst dass.
Ich griff dem zotteligen weissem Tier ans Halsband und wurde glatt mitgerissen von seiner Kraft. Er war noch angekettet doch die Vorfreude endlich wieder zu ziehen, liess ihn um mich herum springen. Entschlossen trat ich erneut auf ihn zu, zog ihn wie Eric mir zugerufen hatte am Halsband mit einem Ruck zu mir ans Oberein und „klemmte“ ihn mir zwischen die Beine. Er gab nach, ich streifte ihm das Geschirr erst ueber den Kopf, dann ueber eine Pfote und dann schliesslich ueber die andere. Dann griff ich ans Halsband und machte die Kette los. Der Hund machte einen Satz richtung Trainingswagen und ich hatte Muehe ihn unter Kontrolle zu halten. Unglaublich welche Kraft diese Tiere haben. Ich hakte das Geschirr an den Trainingswagen und Regina rief mir zu welcher Hund der nächste sei in der strengen Hirarchie im Gespann.
Der zweite ging schon besser da ich gafasst auf die Kraft war. Das Dritte Tier, ein Mädchen legte sich als ich mit dem Geschirr zu ihr trat, auf den Ruecken und gluckste freudig; sie wollte lieber kuscheln als vor den „ollen“ Wagen. Doch auch dass bekam ich nach einer Weile und einige Streicheleien in Griff.
Als das Gespann vollzahlig war rief mir Eric zu ich solle vor ihm Platz nehmen.
Wow ich darf mitfahren!
Die beiden Gespanne fuhren nacheinander los und als Eric das Komando zum Start rief, legten sie Hunde sich ins Geschirr und wir machten einen Satz vorwärts. Ich musste mich gut festhalten als es durch eine Schlammgrube ging.
Das Gesicht voll mit Matsch und dämlich grinsend. Unglaublich, „ich fahr Husky“.
Eric erklärte mir mehr ueber die Hirarchie die besonders bei Grönländern (direkte Abkunft vom Wolf) noch immer stark ausgeprägt sei.
Die Inuit haben sie als Nutztiere gezuechtet, gezähmt und in schlechten Zeiten auch als Fleischreserve gehalten. Dadurch sind sie so sehr an Menschen gewöhnt, dass sie ihnen nie etwas schlechtes tun wuerden. Sie lieben es zu arbeiten bzw zu ziehen. Nicht so schnell wie Alaska Huskys die als Renntiere gezuechtet wurden, sind sie unglaublich hart im nehmen. Untereinander sind sie allerdings anders und so sehe ich einige Beissereien bei denen Eric und Regina entschlossen dazwischen gehen (ich weiss nicht ob ich den Mumm dazu hätte); Mädchen gegen Mädchen, Jungtier gegen „höher“ gestelltes Leittier usw.
An einem Wasserloch machen wir auf Erics “ STÅÅÅÅÅÅÅÅ“-Ruf Halt und die Hunde trinken durstig. Zurueck auf der Farm, spannen wir die Hunde aus dem Geschirr und ketten sie wieder an ihre Huetten/Zwinger. Die nächsten zwei Gespanne sind dran, bei denen ich allerdings nicht mitfahre. Gegen Mittag werde ich zum Essen im der Gamme eingeladen, dann geht es weiter. Da wir gut in der Zeit liegen möchte Regina heute alle Hunde einmal laufen lassen auch um die Gespanne fuer den kommenden Winter zusammenzustellen. Ich bringe ihr den letzten Hund und sie lässt mich vor ihr Platz nehmen. Das seien ihre „Rentner“ die älteren Hunde, die nicht mehr so schnell bzw ausdauernd fuer llange Touren seien und ihr ganzes Leben gute, treue Dienste geleitet haben. Wir unterhalten uns und ich erfahre mehr ueber die Farm, die Hunde und das Leben hier in dieser wunderschönen Umgebung. Gott hat wahrlich ein Meisterwerk in Bardu verbracht. Seen, Berge, Täler: all dass in der Nachbarschaft leicht abgelegen und doch nur 3h von Narvik entfernt.
Regina hält am Wasserloch und fragt ob ich nicht mal lenken möchte.
Und wie ich möchte! Ich möchte nie mehr was anderes tun!
Sie gibt mir eine kurze Einweisung („halt das Seil schön straff..“) und nimmt selbst vorne Platz. Im Stand auf dem Trainingswagen spuehre ich die Kraft der Hunde noch intensiver. Mit dem Lenkrad und den Bremsen steuere ich das Gespann um die Kurven  zurueck ueber die Bruecke auf den Hof.
Dort spannen wir die Gepanne aus worauf die anderen Hunde laut werden.
Björn ruft nur einmal und der ganze Hof ist still. Hier gibt es nur einen Leithund.
Ich hatte im Vorfeld meiner Reise Björns Buch „Norwegen zu Fuss“ gelesen. Er war ´94/95 von Oslo aus nach Kirkenes gelaufen, die Natur gelebt, immer auf der Hut vor den Behördern (damals, die Sache mit dem Visum..) und sich dann auf den Lofoten seinen ersten Schlittenhund Keito fuer seine Pulka geliehen. Keito war Groenländer und das war der Beginn einer langen Geschichte, an deren Ende die Farm in Innset steht. Die Art wie er NPL gelaufen ist fasziniert mich. Er sagte mir es ging ihm dabei eigentlich nur darum vier Jahreszeiten draussen zu sein und zu leben.
Am Abend tischt uns Regina was feines auf und dannach werden die Hunde gefuettert.
Ich hatte in meinem Leben noch nie soviel Kontakt zu Hunden wie am heutigem Tag, auch wenn die Arbeit hart ist, ist die Freude der Hunde dafuer irgendwie das Entgeld. Innset, wir sehen uns wieder.

Mein Paket ist in Setermoen, Björn muss einiges erledigen uns fährt mich dorthin wo ich mir auch neue Angelhaken besorge (hatte keine mehr zum verlieren-there´s still hope!) und setzt mich dann im Sordalen ab. Er erzählt mir wie er ganz ganz klein in Norwegen angefangen hat, einfach weil er nicht mehr in seinen alten Job zurueck in Deutschland wollte – kommt mir bekannt vor.
Wir unterhalten uns auch ueber seine Expeditionen auf Spitzbergen.
Da sitz ich echt in nem Truck mit nem waschechten Abenteuerer, der so ganz bescheiden vom klein Anfangen erzählt; zb von Häusern die so schlecht isoliert waren dass die Bettdecke an der Wand festgefrohren ist.
Nicht so ein protziger Bear Grylls Typ, sondern einem aus den 80/90ern, als noch nicht alles begannen/getan/bestiegen war.
Im Sordalen verabschieden wir uns und ich laufe die Schotterpiste mit meinem 30kg (keine Uebertreibung) Rucksack bergauf. Am Anfang des Sordalen ist ein weites Tal, dass sich nach hinten hinaus zu einem Canyon verengt. Wenig begannen, im Roumbokori Nationalpark gelegen ist es dich mit Farnen bewachsen. Diese Farne Kitzelten mir mal das Kinn, mal die Ohren. Der Weg endet öfters in einem Teich, ist anspruchsvoll doch irgendwie macht er unheimlich viel Spass. Zwar rutsche ich 4x aus und lande unfährig mich zu drehen wie eine Schildkröte auf dem Ruecken aber ich habe Spass.
Ich war schon immer am liebsten in den dichtesten Wäldern.
Da kommt eine Bruecke, deren eines Ende an meinem Ufer liegt und das andere Mitte im Fluss, 1m vom anderen Ufer. Der zuständige Tynsil vom DNT hatte wohhl Sinn fuer Humor. Kurze Zeit später geht es auf 1,5km 400m steil bergauf ueber die Baumgrenze im leichten Nieselregen. Ich schwitze, schnaube und fluche so ueberhaupt nicht.
Von oben allerding, bietet sich mir ein Panorama das Reisa&Dividalen alt aussehen lässt.
Dort verweile ich beinahe eine halbe Stunde in Stille und sauge den Moment auf bis es zu frisch wird.
Nach dem Aufstieg ist der Weg nicht immer leicht zu finden, die Markierungen sind schlecht und mehrfach muss ich weit absteigen um an eine Bruecke/Furt zu kommen. Ich sehe Anne und komme kurz nach ihr auf der Lappjordhytta an.
Guter & harter Trekk !

Da ich gestern erst um 14.00 gestartet bin, kam ich spät an und genauso spät lief ich heute los. Die 11km von der Huette zur Strasse zogen sich ueber bewaldete Huegel unendlich, der Rucksack so schwer wie nie beladen fuer die Etappe bis Sulitjelma und ich einfach nur muede. Doch kaum hatte ich die Strasse erreicht wurde ich zum Schlittenhund und flog regelrecht nach Abisko.
Abisko. Hört sich so nach Abenteuer an. Eher Massentourismus. Der Kungsleden geht hier ab. Ich entschied mich gegen das Massenbettlager und nahm mir fuer 100SEK den Zeltplatz, gönnte mir aber im gegenzug ein Bier und einen Elchburger. Köstliche Kueche hier, sehr zu empfehlen & schöner Service.
Mit Anne besprach ich das weitere Vorgehen, nachdem mir Frederik von 2-4m Schnee zwischen Ritsem und Sulitjelma berichtet hatte.
Anne ist fuer die Alternative Kungsleden, mir schmeckt dass ueberlaufene Ding nicht so. Allerdings muesste ich  wenn ich in Sulitjemla bin erneut umplanen aufgrund von den Verhältnissen dort. Es ermuedet mich, die ständige Suche nach Alternativen.
„Der Fruehling ist zwei Wochen zu spät“, „Der fruehling kommt in drei Wochen“, „Der Fruehling wir noch vier Wochen brauchen“ dass hören ich und Anne seit Mageroya..
Jetzt mache ich mich erstmal auf nach Abiskojaure, peile mal Ritsem an und verusche mehr Informationen zu bekommen. Hier in Abisko konnten mir die Guides vom STF rein gar nichts sagen.

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