7. Saltoluokta – Hemavan

Oder auch „All diese Kilometer..“

Saltoluokta. Ich sitze am Mittagstisch (95SEK inkl. Heissgetränke) and fühle mich so müde.

Diese Müdigkeit hört sie jemals auf?

Nach dem Mittag gehe ich durch den Wald langsam bergauf. Nach 3km schweisstreibendem Aufstieg sehe ich ein; heute ist einfach nicht, ziehe meine Regenjacke mit Kapuze über & das Mückennetz & lege mich direkt neben dem Trail wie ohnmächtig ins Gras. Frisst mich lebendig ihr Sch****vieher! Wüsste ich es nicht besser würde ich sagen die Nacht im Club war mal wieder zu heftig. Doch hier gibt es keine Clubs und für mehr als ein Bier müsste ich eine meiner Nieren verkaufen so teuer ist der Alkohol hier.

Ich bleibe jetzt einfach so liegen und wenn ich aufwache bin ich daheim auf meiner Couch in Basel mit einer Tasse Tee.

Da fällt mir leider wieder ein, Zuhause sind 25 Umzugskartons und die Couch steht bei Mutter im Keller. In meiner Wohnung lebt jetzt jemand anders.
Also quäle ich mich weiter bergauf.

Irgendwie schaffe ich es nach Sitojaurestuogan wo Anne mich bereits erwartet.

Anne hat ihr Zelt nach Kvikkjokk gesendet um leichter zu reisen. Hätte ich auch machen sollen, war aber zu beschäftigt mit essen in Abisko. Der Stuvgård (Hüttenwart des STF) will 150SEK dafür dass ich an der Hütte Zelte. Na danke, ich passe und verabrede mich für den Morgen mit Anne bevor ich im Wald oberhalb mein Zelt aufstelle.

Anne ist eine wirklich tolle Gefährtin. Fünfundvierzig im Herzen ewig dreissig, sehr informativ, Bergführerin beim norwegischen Wanderverein und ziemlich bescheiden. Wir haben nie „ausgemacht“ zusammen zu laufen. Wir sind auch selten zusammen gelaufen da wir unterschiedliche Tempi haben & dennoch waren wir immer irgendwie parallel zueinander und am Abend haben wir oft zusammen gesessen & ich habe so viel über Norwegen lernen kønnen.

Sie ist mir sehr and Herz gewachsen – tolle Person !

Diesen morgen war ich spät dran doch Anne war noch am dehnen. Neben der Hütte verkauft eine samische Familie Fisch, Brot, Bier und Schokolade zu minimal überteuerten Preisen.

Anne hat sich dort etwas eingedeckt und dann sind wir ins Boot gestiegen. Es galt ca 7km see zu durchrudern.

Da nur ein Boot auf unserer Seite war hiess dass 3x Rudern..

Anne die meine Performance am Ruder lieber nicht erleben wollte „übernahm das Ruder“ und „legte sich in die Riemen“. An der Südwest Küste im Kajak aufgewachsen hatte sie ein etwas besseres Händchen als ich dafür.

Sie setzte mich am Ufer ab, nahm ein Boot ins Schlepptau und machte direkt wieder kehrt. Da fühlte ich mich schon etwas mies doch sie lachte nur darüber und hatte anscheinend echt Spass daran.

Von der Svijnne Hütte (die mehr ein shelter war), ging es durch den Wald auf 900m hoch. Der Trail war gut zu gehen und als ich an der Abzweigung zu Skierffe stehe überlege ich noch ob das Foto auf das Rappadalen im Sarek die 12km wert ist da fängt es schon an zu regnen und die Frage erübrigt sich. Als ich an Aktse ankomme frische ich kurz meine Vorräte auf (das Paket aus Innset ist aufgebraucht, ich habe meist nur essen für 2-3 Tage dabei) und setze mich auf die Veranda der Hütte wo sich andere Wanderer vor dem Regen untergestellt haben. Ich möchte heute noch weiter & würde eher das Motorboot nehmen als durch das Wasser über das Wasser zu rudern.

Dort treffe ich eine junge Schottin die am Pier zuschaut wie der Fährmann im Speedboat davon fährt. Ziemlich amüsant wenn gebildete Briten fluchen. Als ich sie überzeugt habe das der Gute mit dem Boot zurück kommt, beruhigt sie sich und wir unterhalten uns. Sie wirkte ganz interessant doch entpuppte sich als hochnäsige Topfpflanze die in keinem ihrer zwei Guidbooks (ernsthaft wer kauft sowas?! & wer bringt gleich ZWEI mit auf den KUNGSLEDEN?!) etwas von steinigen Gelände gelesen hatte und deshalb in Kvikkjokk abbrechen wird.
Da war sie. Diese peinliche Stille die in vollen Fahrstühlen herrscht während wir im Regen auf das Boot warten.

Wie sich herausstellt kann ich hier anders als in der Hütte angegeben nicht mit Karte zahlen und habe nur 100 statt 250 Kronen in bar. Der Fährmann brummt etwas, nimmt mir die 100SEK ab und lässt den Motor aufheulen.

Am anderen Ufer verabschiede ich mich von Miss Scott und laufe im Stechschritt über die Planken durch den Wald.
An einer Brücke finde ich einen schönen Lagerplatz & fliehe vor den Mücken ins Zelt.

Mein Müsli habe ich mir aus 15 verschiedenen Bestandteilen zusammengestellt, portioniert und in 130-150g vakumiert (hat 3 Tage gedauert neben Teildienst mit 12-14h Schichten..).

Ich hatte verschiedene Mischungen von cerialien, 10 verschiedene klein geschnittene Trockenfrüchte und Nüsse in kleinen Schälchen vor mir und habe bunt gemixt damit es verschieden schmeckt.
Da ich auch auf Milchpulver verzichte & die Regia Trinkschokolade nicht mehr schmeckt, hängt mir Müsli langsam zum Hals raus.
Kein Wunder nach zwei Monaten. Bald gibts öfters mal Milch dazu. Ahhh Milch!
Doch ich schweife ab.
Wo war ich stehen geblieben?
Ach ja Müsli-Frühstück-Kungsleden!

Ich stopfe meine Tomate in den Packsack, Quere zwei Brücken und laufe ein Stück durch den Sarek Nationalpark zur Pårtestuogan. Dort will ich mich auf der Flucht vor den Mücken in der Hütte zum lunch verbarrikadieren. Es ist ca 16.15 doch die Hüttenwärtin weisst mich ab.

Dayvisit nur von 11.00-15.00 oder ich müsse für die Nacht zahlen & die Mücken das sei doch heute nicht so schlecht. Aber daaa hinteeen unter der Fichte könne ich essen.

Irgendwie werde ich mit dem STF nicht warm.
Der DNT in Norwegen begrüsst einen stehts mit offenen Armen sehr familiär und alles andere kommt kann nach einer heissen Tasse Kaffee warten.

In Schweden ist die erste Frage nach einen knappen Gruss „Are you member???“ „Yes I am member. Member of Weightwatchers.“

Ich drücke mir „daaaa hinteeen“ unter dem Mückennetz mein Essen rein und laufe brummend weiter bis an einen See. Dort sieht es nach Gewitter aus & ich beeile mich am Ufer mein Zelt straff abzuspannen. Doch es will nur spielen und sehen wie schnell ich bin.

Kvikkjokk wäre das Ziel und so drücke ich auf die Tube um dort keinen Ruhetag sondern einen halben (Ankunft früher Mittag) zu haben. Unterwegs treffe ich Peer der das Grönna Bandet läuft. Ich weiss bereits von Pia das diese Wanderung strengen Regeln unterliegt und quasi von einem Komitee beurteilt wird. Die Läufer gehen die gesamte schwedische grüne Bergkette entlang, müssen mehrmals am Tag den Spot Sender als „Bestätigung“ auslösen und gewisse Punkte passieren. Eine andere Läuferin Anna erzählte mir es besteht sogar ein Regelwerk.
Wenn mich jemand auf meiner Wanderung so eineiigen würde hätte er dieses Regelwerk mal ganz schnell am Kopf.
Kvikkjokk Fjellstation ist nicht gerade der schönste Trailhead aber er tut seinen Zweck und das Thai chicken war echt lecker !
Allerdings hatte ich mir mit irgendwas den Magen verdorben. Auch gut möglich das meine Ernährung aus Müsli, Linsen, Couscous, Blå Band Tütennahrung & 200-300g Schokolade täglich daran nicht ganz unschuldig war.
In Kvikkjokk konnte ich eeeeeendlich waschen ! War bitter nötig.
Unglaublich wie viele Menschen da in der Lobby nur in Regenkleidern sahssen. Alle am Wæsche waschen 😀
Dort traf ich auch zwei deutsche, die sich gleich als erste Wander Tour den Sarek Nationalpark ausgesucht haben. Coole Socken!
Später am Nachmittag trifft auch Anne total durchnässt an und stellt fest das ihr Zelt irgendwo zwischen Jäkkvikk-Jokkmokk-Kvikkjokk hängt. Keiner weiss genaues. Arme Anne ! Jetzt muss sie hier bleiben und sich darum kümmern.
Immer der Ärger mit den Paketen !

Ich weiss auch noch nicht so recht wie ich an das in Umbukta & Sulitjelma (voll mit Geburtstagsgeschenken und Schokolade) kommen soll..

Von Kvikkjokk nach Jäckvik nehmen fast alle Wanderer den Bus. Der Trail würde mir als schlecht markiert, wenig begannen & landschaftlich nicht sehr schön beschrieben.

Es regnete als ich um 14.30 zu Helene, des Fährmanns Frau ins Boot stieg. Sie setzte mich and andere Ufer über und machte eine grosse Runde durch den Kanal um uns den Zusammenfluss des Gletscherwassers aus dem Sarek im See zu zeigen. Mit mir im Boot sitzt ein ca 65 Jahre alter Schwede der nicht sehr fit aussieht. Am Ufer schaut er mich ungläubig an und fragt ob ich jetzt denn schon sofort weiter will, er möchte besseres Wetter abwarten in der Schutzhütte. HA!
Ich verabschiede mich und laufe durch den Wald bergauf.

Diese Wälder; wie sehr sie mir Frieden geben.
Ich fühle mich beinahe wie daheim im Schwarzwald. Nur der Geruch ist anders.

Es hört auf zu regnen, die Mücken kriechen aus ihren Löchern und werden penetrant.
Ich schaue zu dass ich ins Kahlfjell komme wo Wind weht. Gegen 1800 Quere ich eine Hängebrücke und treffe in der naheliegenden Schutzhütte einen Franzosen und einen deutschen mit Hund. In der Hütte esse ich zu Abend unterhalte mich mit den beiden. Bei dem Wetter wäre drinne Klüger doch die Kilometer sind noch nicht genug heute und ich drücke drauf um schleunigst weiter nach oben zu kommen. Dort finde ich eine tolle Aussicht und ziehe mich im Zelt zurück.

Am nächsten morgen weckte mich die Sonne. Hallo schöne Frau !
Die beiden mit Hund ziehen an mir vorbei während ich packe. Heute fühle ich mich fit.
Die beiden hab ich schnell eingeholt und kurz darauf liegen sie weit hinter mir.
Die Vegetation ist hier recht dicht. Farne die bis zur Brust gehen & Bodensenken die zu Seen wurden liegen auf meinem Weg. Endlich mal wieder ein kleines bisschen eine Herausforderung auf dem Trail. Verblöde sonst noch.
Nach zwei Hängebrücken Rolle ich meine Matte aus & mache erstmal eine Stunde Mittagspause in der Sonne. Es ist windig, das hält die Mücken in Schacht. Es geht wieder bergauf auf 1100m wo ich die Nacht verbringe.

Ich bin mit meinem Schnitt ganz zufrieden aber nach oben ist noch Luft. Mit begegnet heute ein Gröna Bandet Läufer der mir vom Fährmann am Vounatjviken als unfreundlichen überteuerten Kerl erzählt.
Das ist eine grosse Passage von ca 7km und die Samifamilie dort hat quasi das Monopol.
Das nützt sie auch aus und knüpft jedem 350Kronen für die Überfahrt ab. Plus das das Boot geht wenn es geht und so bleibt mir nichts anderes übrig als meinen Nachmittag mit warten zu verbringen. Ich bin sauer über den überteuerten Preis (alle anderen Motorboote lagen bei 150-250SEK) & das ich den halben Tag jetzt hier herumliege anstatt Strecke zu machen. Irgendwann bellt mich ein Fass von einem Mann an ich solle mitkommen wir fahren jetzt. Sofort.
War froh am anderen Ufer meinem Unmut als Antrieb nutzen zu können und ging wie sollte es auch anders sein; erneut über die Baumgrenze hinauf. Ganz schönes Kardiotraining. Jäkkvik war mein geplantes Ziel heute doch das Tacho zeigte bereits 33km an und vor mir lag noch ein See den ich mit Ruderbooten queren müsste. & natürlich war nur ein Boot auf meiner Seite.
Ich legte mich in die Riemen und mit etwas Geschick hatte ich die eine Seemeile rasch hinter mir. Am anderen Ufer nahm ich ein anderes Boot in Schlepptau, machte es gegenüberliegenden Ufer fest und legte die Seemeile zum dritten Mal zurück. Hatte sogar Spass dran als ich mal den Dreh heraus hatte.
Es waren noch ca. 5km bis Jäkkvik aber mein Kopf war müde der Tag war lang und ich beschloss ihn hier direkt am See mit offenem Aussenzelt. Langsam stellte sich so etwas wie du Dunkelheit ein nach fast zwei Monaten.

Meinen Zeltplatz hatte ich allerdings aus Müdigkeit und auf der Flucht vor Mücken in einer Senke äusserst schlecht gewählt und schlief sehr verrenkt.
Am Morgen erschreckte mich ein Wanderer, der wissen wollte wie das mit den Booten funktioniert. Er war deutscher ich glaube aus Dresden und wir tauschten Landkarten, bevor ich die Distanz bis Jäkkvik fix zurücklegte.
Im Dorf war der erste richtige Laden, mehr eine grosse Tankstelle den ich seit Setermoen betreten hatte und schlug erstmal zu.
Von saftigen Pfirsichen hatte ich geträumt aber eine Nektarine war auch gut. Dazu Käse, Salami zwei Cola, ein Eis, Schokolade,…
Es wurde zur Völlerei direkt an der Tankstelle. Die Amis nennen sowas wohl Hikingtrash.
Im örtlichen Vandreheim verbrachte ich zwei weitere Stunden, lud mein Handy & ass weiter.
Den Tag wollte ich allerdings noch vollmachen und ging mal wieder steil bergauf und durch den Pieljekaise Nationalpark (sehr schön bewaldet!). Im Wald würde es allerdings schneller als erwartet dunkel (muss mich daran gewöhnen) & ich war gezwungen mehr schlecht als recht mein Zelt zwischen den Bäumen aufzustellen.

So langsam roch ich echt übel.
Ich setzte darauf im Adolfström auf dem Campingplatz um eine Dusche zu bitten. War tatsächlich für einen kleinen Obelus kein Problem und ich genoss die Wärme Dusche.
Dannach schlüpfte ich in meine Badeshorts (mein einziges Zugeständniss an die Lightweight Fraktion) und ein relativ sauberes Shirt. Im Dorfladen (ein wirklich liebevoll eingerichtetes auf Tante Emma getrimmtes Ding) verputzte ich zwei Stück Kuchen und einen halben Liter Kaffee.
Der Trail läuft von hier in 8km nach Bäverholmen. Es bestand auch die Möglichkeit ein Boot zu nehmen über den See. Mir ging es hier um Zeit und soviel Strecke wie möglich zu machen also nahm ich das Boot.

Kaum am anderen Ufer knurrte mein Magen erneut. Ein Kollege in der Küche meinte mal ich hätte Bandwürmer denen ich Namen geben soll. Also besänftigten/fütterte ich sie mit einem Bürger und einer Cola. Guter Tag !

Mir hatten Wanderer in Adolfstrøm erzählt das Pia die ich in Innset getroffen hatte, sich irgendwo auf dem Trail ca 25-15km vor mir befindet und heute an einer Hütte Zelten wird. Ich kenne ihr Zelt und es würde knackig werden sie einzuholen.
Doch ich hab Gas. Unglaublich wie schnell ich viel Strecke machen kann wenn ich den Kopf aus Knopf mal gedrückt habe. Tatsächlich fand ich nach fast 35km ihr Zelt und stellte meins leise daneben.

Ich dachte es regnet. Dabei waren es 88292929 Mücken !
Am Morgen war pia bereits weg. Ich bin immer noch kein Frühaufsteher. Macht nichts ich treffe sie sicher noch die Tage. Ein anderer Wanderer erzählte mir das Jesper der Junge Schwede aus dem Dividalen vor mir ist. Interessant wie sich die Gruppe aus dem Dividalen jetzt verteilt auf dem Kungsleden wiedertrifft.

Jesper läuft in seinem Gappyear den E1 und war direkt nach seinem Abitur von Kilpisjärvi gestartet. Unverwechselbares Merkmal ist ein fast 220cm langer Birkenstock mit dem er wandernd aussieht wie ein Magier. Jesper ist sehr aktiv in der Natur und strebt eine Laufbahn als Biologe an. Er konnte uns Namen von Pflanzen und den „Zweck“ im Ökosystem auf drei Sprachen nennen. Ein wandelndes Lexikon der Junge. Er hatte in Ammarnäs an einer Studie zu Polarfuchen gearbeitet & dort im Dorf rief ich ihn an nach einem weiteren 33km Tag. Er hatte sich bei Freunden im Forschungszentrum einquartiert und ich könne über Nacht dort bleiben.
Meine gesamte Zeit in Schweden habe ich nur diese eine Nacht in einem Bett geschlafen und das nicht besonders gut.
Pia kam am Abend dazu und wir tauschten Geschichten aus über Begegnungen mit anderen Wanderern bei einem Bier. War schön die beiden wiederzusehen.

Jesper & Pia wollten heute früh los dafür aber nur einen kurzen Tag laufen. Ich blieb im örtlichen Restaurant hängen nutzte das WLAN und schaute mir drei Folgen GOT an. Sucht ist Sucht.
Als ich dann gegen 18.00 an der Aigertstuogan Eintraf erzählte mir der Hüttenwart (ein netter STF Mensch) die beiden seien weiter.
Ich kaufte mir dort ein alkoholfreies Bier (das Zeug fasse ich daheim nie an..) und kochte Abendessen. Er erlaubte mir auch für 50 Kronen die Sauna zu nutzen nach der ich direkt in den See hüpfte. Awww herrlich !
Dann setzte ich den Weg fort. Unglaublich schön hier oben ich fand soviele tolle Campingplätze doch es waren meiner Meinung nach noch nicht genug Kilometer runter. An einem Pass stand auf 1100m die Jouvvatjåhkka Schutzhütte, ich klopfte an, trat ein und da lagen Pia und Jesper mit einem Paar aus Österreich im Schlafsack und wir mussten lachen. Also jeder in seinem eigenen Schlafsack.

Ich hatte unglaublich schlecht geschlafen, vielleicht bin ich zu sehr an mein Zelt gewöhnt und die frische Luft nachts.
Meine Gefährten nahmen die Abzweigung nach Tärnaby und wir verabschiedeten uns.
Ganz tolle Menschen !!
Als ich meinen Rucksack absetzte um Wasser zu holen, merkte ich ca 5-7km von der Schutzhütte das meine Angel weg war. Sie muss in der Hütte liegen geblieben sein.
Meine geliebte Spinning Rod aus Kristiansand!
Es regnete und war kalt und ich dachte nach, entschied den Rucksack im Gebüsch zu verstecken und ohne zur Hütte zurück zulaufen. Ich war unglaublich wütend.

Wut ist ein guter Antrieb aus falschem Impuls.

In der Hütte traf ich zwei Schweden. Dann geschah eine komische Sache.
Ich fragte ob sie hier eine Angel gefunden hätten.
Der eine sagte ja & griff bereits mit einem lächeln hinter sich, und der andere berührte ihn am Arm und sagte nein er habe nur seine eigene und würde schlecht englisch sprechen.
Was nun ? Ich war sicher dass einer der beiden log und es entsetzte mich so primitiv angelogen zu werden und nichts tun zu können.
Also schluckte ich den Ärger runter fluchte wie ein Rohrspatz und lief die Strecke zu meinem Rucksack zurück.
Nur wo war er ? Natürlich hatte ich freiluftheld die Stelle nicht markiert und spuckte Blut und Galle im Regen total durchnässt bis ich ihn nach einer halben Stunde fand. Dass mache ich nie wieder !!!
Aus blanker Wut legte ich einen weiteren 30km+ Tag bis zur Tärnasjöstuogan hin wo ich mich mit einem Pott Pasta versuchte zu beruhigen. Die Hütte lag an einem grossen See und hatte eine Sauna direkt am Ufer. Hier bezahlte ich die 150SEK gerne & stellte mein Zelt unter einer Tanne auf.

Dann ging ich mit einem Bier in die Sauna & hüpfe in den See.

In da Badstua:

Die Sauna in Skandinavien ist ein besonderes Erlebnis. Beheizt wird mit Holz dadurch entsteht eine andere Hitze. Es ist ein sehr sozialer Ort. Hier zischt keiner „pssssst“ wenn man sich unterhält. Im Gegenteil hier wird gelacht und offen über alle erdenklichen Themen gesprochen. Das Nacktsein macht also irgendwie frei. Hierbei ist es meist so das die Sauna als Männer Bzw reine Frauensauna textilfrei ist. Gemischt ist es eher nach Belieben/persönlichem Komfort.

Das eine oder andere Bier gehört auch dazu allerdings wird es kein Besäufniss. Bzw meistens jedenfalls nicht. Der kurze Sprung in den See oder in den Schnee gehört auch unbedingt dazu. Die Saunakultur hier gefällt mir um einiges besser als in Mitteleuropa wo Sauna immer mit etwas anzüglichem verbunden wird. Hier sitzen der achtjährige,der munter ein klasse Englisch plappert, neben der Hausfrau oder der Omi die auch etwas deutsch kann.

Day 61 – 38 km till Hemavan.

Das summe ich so vor mich her als viel später als geplant aufbreche und den See entlang zu den 8 Hängebrücken die über Inseln gespannt sind laufe.

Ich bezweifle das ich es schaffe soweit zu gehen und komme nach den Hängebrücken beim Aufstieg richtig ins schwitzen. Ein Bier ist eben ein Bier & Alkohol macht selbst in kleinen Dosen träge. Die ersten 13km sind an der Syterskalet geschafft. Ich ziehe mein Shirt aus, es ist selbst in Shorts zu warm heute. Auch mein Solarpanel kann ich heute laden. Während ich als dayvisit die Küche nutze und mein Essen koche wird es immer wärmer. In der Sonne trinke ich meine Cola und schultere dann meinen erstaunlich leichten Rucksack.
61-38-to Hemavan.. hmm mal sehen es ist bereits 15 Uhr. Zügig gehe ich bergauf und geniesse den Ausblick auf das Norra Störfjället. Es geht über eine vidda & auf der anderen seite wieder bergab in ein weites Tal. Das reinste Kardiobar.
Als ich die Viterskalstuoga erreiche und den Hüttenwart frage ob ich evtl meine Pause drinne verbringen könnte, meinte er es sei voll aber wenn ich einen Platz finde; bitte.
Ich komme mit einigen Schweden am Tisch ins Gespräch während ich mir mal eben 1500Kcal reinhaue. Da packt mich der Hüttenwart an der Schulter und sagt jetzt müsse ich die Übernachtung zahlen weil ich hier solange war. Verständnislos folge ich ihm und versuche zu erklären das ich gleich gehen wollte da ich näher an Hemavan heran wollte. Er ist stur, lässt dann von mir ab und ich gehe.

Der STF & ich. Wahre Liebe.

Für das schöne Tal durch das ich laufe habe ich kein Auge sondern drücke drauf. Weg von diesem König der Wege ! Weg vom STF! Ab nach Hemavan & dann so schnell es geht über die Grenze.

Die letzten 6km sind schmerzhaft, steil bergab und ziehen sich endlos. Es ist beinahe Mitternacht als ich mein Zelt an der STF Fjellstation Hemavan aufstelle. Für das obligatorische Foto unter dem Kungsleden Portal hatte ich heute keinen Nerv mehr. Ich trinke dennoch irgendwie stolz auf meine Leistung (Kungsleden innerhalb von 18 Tagen mit 3 Ruhetagen) mein Bier und falle in einen tiefen Schlaf.

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